3. Brüste und Blähungen

Ohne meine heilige Dreifaltigkeit bewege ich mich nicht mehr. So heißt meine Kombination aus drei Sport-BHs, die haargenau übereinander- und mir gerade noch so passen. Ich habe von Natur aus große Brüste. Nun aber sind sie innerhalb weniger Wochen praktisch explodiert.

Wenn ich mir nicht gerade vorkomme wie mein eigener unanständiger Comic, stoße ich gegen Schränke oder Autotüren. Die heilige Dreifaltigkeit verhindert zumindest, dass ich bei jeder Bodenwelle Schmerzensschreie ausstoße. Den Spott verhindern kann sie nicht.

Wann immer die Zeit es zulässt, gehen Stefan und ich spazieren. Das beginnt meistens damit, dass ich fertig vor der Tür stehe, während er sich in präziser Millimeterarbeit die Schuhe bindet. Gleich fest müssen sie sein. Normalerweise finde ich das süß. Heute empfinde ich sein Schnürsenkel-Heckmeck als persönlichen Affront, als Verschwendung meiner Zeit.

„Kannst Du Dich bitte etwas beeilen?“
„Just a little patience, my breasty friend“, flötet er mit gerolltem r.

Ich möchte nicht, aber ich muss lachen. Dabei entwischt mir ein Pups. Herrgott nochmal, ich will doch gerade genervt sein! Es hilft nichts. Bei versehentlichen Pupsen stieg meine Laune schon immer schlagartig an. Es beginnt zu stinken.

„Wie geht es Dir da unten bei den Schnürsenkeln?“ frage ich Stefan.
„Hmmmm.“
„Du, ich will ja nichts sagen, aber wir könnten längst an der frischen Luft sein.“
„Ich weiß nicht, ob das einen großen Unterschied machen würde.“

Ich muss leider wieder lachen – und wieder entwischt mir einer. Vor lauter Spaß kommen mir die Tränen, doch ein bisschen Scham fließt mit. In dem Maße, in dem meine Brüste wachsen, erlahmt meine Darmtätigkeit. Schwangerschaftshormone führen eben auch zu Verstopfung und Blähungen. Das ist nicht schlimm, aber es nervt. Beim nächsten Termin zückt mein Frauenarzt den Stift und schreibt mir ein Magnesiumpräparat auf.

„Das wird helfen, meine liebe Journalistin.“
Ich gucke ihn an. Er weiß sofort Bescheid.
„Du willst das nicht nehmen, oder? Das sehe ich Dir doch an der Nasenspitze an.“
„Mensch, ich nehme doch schon das Superknaller-Nahrungsergänzungsmittel. Muss das jetzt auch noch sein?“
„Jetzt hör mir mal zu. Das ist harmlos, damit machst Du nichts falsch. Was der Körper an Magnesium nicht braucht, das scheidet er wieder aus.“

Halb überzeugt kaufe ich die Kapseln. Sie helfen. Nach zwei Wochen schlechtem Gewissen setze ich sie wieder ab. Was, wenn mein Körper sich daran gewöhnt? Das muss doch nicht sein. Ich trinke also fortan stilles Wasser, massiere meinen Bauch und arbeite mit geradem Rücken. Es ist wie immer bei natürlichen Alternativen: Sie helfen – eher nicht.

Daher habe ich eine Strategie entwickelt, die halbwegs funktioniert: Wenn ich zu Hause bin, lasse ich alles raus. Der Teil funktioniert super. Unterwegs muss ich halt ständig kurz telefonieren. Und wenn es mir dann doch mal passiert, entschuldige ich mich bei der Feministin in mir und recke dezent meinen Brustkorb. Die Kraft des Comics ist nicht zu unterschätzen.