7. Eifersucht und Hormone

Neid ist mir durchaus ein Begriff. Aber Eifersucht, die ist mir fremd.

Stefan trifft sich heute mit einer Kommilitonin und einer ihrer Freundinnen. Mit dieser Freundin hatte er mal was. Sie ist süß und charmant, hat Grübchen und Humor. Typ: bayerische Bergsteiger-Bonnie. Gestört hat mich das nie. Es hat schließlich immer einen Grund, wenn aus Techtelmechteln nichts Ernstes wird. Ich empfand sie eher als einen von zahlreichen Beweisen dafür, dass Stefan Geschmack hat.
„Kommst Du mit?“ fragt er, als er aus der Dusche steigt.
„Ne, aber ich wünsche Euch viel Spaß.“

Ich fühle mich heute nicht sonderlich repräsentativ. Beim Blick in den Spiegel sehe ich nur die Pickel an meinem Kinn. Beim Blick in den Kleiderschrank entdecke ich nur Sachen, die nicht passen – abgesehen von Leggins, Schlabberhosen und Oversize-Pullis. Alles sehr white-trashy. Aber alles sehr bequem. Daher hat’s mich nie gestört. Heute tut es das aber irgendwie.

Stefan fährt allein. Ich telefoniere mit Freundinnen, nehme ein Bad und gehe spazieren. Dabei höre ich „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer. Bei der Beschreibung des narzisstischen, untreuen und hochstapelnden Joe Castleman muss ich immer wieder lächeln. Was habe ich nur für ein Glück gehabt. Ich laufe den Inn entlang und wünsche mir Stefan herbei. Ich vermisse ihn, obwohl ich ihn eben erst gesehen habe.

Drei Stunden später ist er immer noch nicht zu Hause. Es ist Samstag, die Sonne strahlt, wir haben beide Zeit. Ist ja nicht so, als wäre das häufig der Fall. Wieso bleibt er stundenlang weg? Ich werde sauer. Hat Bergsteiger-Bonnie eigentlich einen Freund? Ich glaube schon. Naja, heißt ja nichts. Wie lange ging das nochmal mit ihr und Stefan? Und wer von beiden hat es dann beendet? Ich schreibe eine Nachricht, für die ich mich bereits beim Versenden verabscheue:
„Kommst Du heute eigentlich irgendwann auch nochmal nach Hause?“
Ich hätte mich ruhig noch ein paar Sekunden gedulden können. Bevor er sie überhaupt liest, steht er auch schon in der Tür. Zu spät. Ich bin unfassbar schlecht gelaunt.
„Hey Schnucki, na?“ Er ist unfassbar gut gelaunt und drückt mir einen Kuss auf den Mund.
„Hey.“ sage ich in einem Ton, der keinen Zweifel an meiner Stimmung lässt.

Er schaut auf sein Smartphone, dann schaut er mich an. Es platzt nur so aus mir heraus. „Ey, ich verstehe nicht, warum Du mit der jetzt den halben Tag verbracht hast. Und das, obwohl wir den miteinander hätten verbringen können. Was musstet Ihr denn so lange machen? Pferde stehlen?“
Er schmunzelt. Es amüsiert ihn!
„Bist Du ein bisschen eifersüchtig?“
Was für eine Frechheit.
„Ich glaube, Du bist ein bisschen eifersüchtig“, wiederholt er und lacht.

Ich muss mir eingestehen, dass er recht hat und fühle mich so unattraktiv wie nie zuvor.
„Oh mein Gott, ich bin eifersüchtig.“ raune ich. Was ist denn das bitte für ein oberbeschissenes Gefühl? Ich schaue ihn an und würde am liebsten im Boden versinken.
„Gewöhn Dich nicht dran, das sind die Hormone“, zische ich und bete, dass es stimmt.